Presse-Archiv 2023
Kreistierschutzbeauftragte und Vize-Landrat appellieren besonders an Hunde-Halter
„Tiere bei sommerlichen Temperaturen nicht im Auto zurücklassen!“
21.06.2023
Darmstadt-Dieburg. Sommerzeit ist Sonnenzeit – während wir Menschen gemeinsame Veranstaltungen, den Besuch von Badeseen, Schwimmbädern und Eiscafés genießen, können sich für Vierbeiner lebensgefährliche Situationen entwickeln. Besonders sind Hunde betroffen, die in geparkten Autos auf die Rückkehr ihrer Besitzer warten. Doch warum ist das so?
„Im Gegensatz zu den langwelligen UV-A Strahlen durchdringen die kurzwelligen UV-B und UV-C Strahlen das Glas von Autoscheiben und führen - auch bei bedecktem Himmel - zu einem kontinuierlichen Hitzestau im Fahrzeuginneren. Im Rahmen von Versuchsmessungen wurden bei einem in der Sonne geparkten Auto alle vier Seitenscheiben 4cm weit heruntergelassen. Bereits bei einer Außentemperatur von 20°C stieg die Innentemperatur nach 30 Minuten auf 38°C an; eine für Tiere kritische Temperaturgrenze. Bei einer Außentemperatur von 26°C bzw. 30°C erreichten die Innenwerte nach 30 Minuten lebensbedrohliche 44°C bzw. 48°C Die eigenen Versuche der Tiere sich, etwa durch Hecheln, abzukühlen, versagen“, erläutert Dr. Christa Wilczek, die Kreistierschutzbeauftragte, in der Kreisverwaltung angesiedelt im Büro des Ersten Kreisbeigeordneten, Vize-Landrat Lutz Köhler.
„Einerseits ist zum Hecheln Energie erforderlich, die besonders bei jungen, alten, kranken und körperlich aktiven Hunden nicht ausreichend zur Verfügung steht. Es kann sich schnell ein Schwächekollaps entwickeln. Andererseits funktioniert der Kühlmechanismus des Hechelns nicht mehr, je höher die Luftfeuchtigkeit im Fahrzeuginneren ansteigt. Doch dieser Anstieg wird durch das Hecheln, nämlich die Abgabe von Verdunstungswärme, verursacht“, erläutert Tierärztin Wilczek. „Die Situation verschärft sich, sobald mehrere Hunde im Auto hecheln, besonders dann, wenn Hunde mit nassem Fell im geparkten Auto warten müssen. Auch langhaarige Hunde, Tiere mit dichter Unterwolle und die rundköpfigen Rassen leiden sehr unter heißen Sommertagen und kollabieren aufgrund von Überhitzung oder aus Sauerstoffmangel.“
„Die Tierschutz-Hundeverordnung schreibt vor, dass die Betreuungsperson für ausreichende Frischluft und angemessene Lufttemperatur zu sorgen hat, wenn ein Hund ohne Aufsicht verbleibt; dies gilt besonders für den Aufenthalt in Fahrzeugen oder Wintergärten sowie sonstigen abgegrenzten Bereichen, in denen die Lufttemperatur schnell ansteigen kann“, erläutert Erster Kreisbeigeordneter Lutz Köhler, Jurist und bekennender Hunde-Halter.
Die Kreistierschutzbeauftragte rät:
- Tiere bei sommerlichen Temperaturen nicht im Auto zurückzulassen – selbst ein kurzer Einkauf kann länger dauern, als ursprünglich gedacht.
- Auch im Schatten stehende Fahrzeuge werden von den kurzwelligen UV-Sonnenstrahlen durchdrungen.
- Schattenflächen werden in kurzer Zeit zu gefährlichen Sonnenbereichen.
- Heruntergelassene Fensterscheiben führen nicht zu einer ausreichenden und notwendigen Frischluftzufuhr.
- Die schnell ansteigende Hitzeentwicklung und die unzureichenden Abkühlmöglichkeiten der Tiere führen zu panikartigen Reaktionen und in kurzer Zeit zu einem tödlichen Schock.
- Je nach Einzelfallentscheidung liegt ein sog. rechtfertigender Notstand beim gewaltsamen Öffnen eines Fahrzeuges vor; vor dem Eingreifen die Polizei informieren und die Situation mit dem Handy aufnehmen – entscheidend ist es, das Tier lebend zu bergen.
- Ein zurückgelassener Hund in einem überhitzten Auto erleidet massive Qualen, so dass der Straftatbestand der Tierquälerei erfüllt ist/sein kann.